Grazer Medizin unter einem gemeinsamen Dach
Mit dem Neubau MED CAMPUS in Graz-Ries entsteht der vierte Universitätsstandort in Graz. Die bisher auf die Stadt verteilten universitärmedizinischen Einrichtungen kommen nun unweit des LKH-Univ. Klinikums Graz unter ein Dach.
2004 wurde die Gründung der Medizinischen Universität Graz organisatorisch vollzogen. Mit dem Bau des MED CAMPUS bekommt sie nun auch die entsprechende räumliche Gestalt. Die Stadt Graz erhält damit ihren vierten Universitätsstandort. Auf zwei unmittelbar angrenzenden Bauplätzen östlich und westlich von der neuen Stiftingtalstraße und dem Stiftingbach ist die bauliche Umsetzung von zwölf Instituten, vier Forschungszentren, Lehreinrichtungen, Startup-Unternehmen, einem Administrationsgebäude sowie studentischer Infrastruktur wie Mensa und Aula geplant.
(v.l.n.r.) Hellmut Samonigg (MUG), Uni Rektor Josef Smolle, Cattina Leitner (MUG), Bürgermeister Siegfried Nagl, Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, Bürgermeister Stellvertreterin Lisa Rücker, BIG-GF Christoph Stadlhuber, Architekt Florian Riegler und Architekt Roger Riewe bei der Wettbewerbspräsentation am 16. Juli 2010.
Im MED CAMPUS werden künftig Lehre und Forschung unter einem Dach sein. Derzeit sind sämtliche Nicht-Klinische Einrichtungen sowie die Verwaltungseinheiten der Universität an mehreren Standorten untergebracht. Der Rektor Josef Smolle, sieht einen enormen Wettbewerbsvorteil in der nun besseren Verknüpfung von Lehre, Forschung und Patientenbetreuung: „Durch die örtliche Zusammenführung der grundlagenorientierten Fächer, der so genannten Vorklinik, in den Nahbereich des LKH-Univ. Klinikums Graz wird ein qualitativer Quantensprung in den Kernbereichen Lehre und Forschung mit nachhaltigen Auswirkungen auf die Patientenbetreuung erzielt.“
Da viele der Gebäude, in denen die Med Uni Graz bisher untergebracht ist, sanierungsbedürftig sind, wurde nach Untersuchungen und Berechnungen im Jahr 2005 vom zuständigen Ministerium dem Neubau der Vorrang gegeben. Errichter und Eigentümer des MED CAMPUS wird die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) sein. Die Gesamtinvestitionskosten des MED CAMPUS (Modul 1 und 2) liegen bei rd. 320 Millionen Euro brutto. Diese werden von der BIG vorfinanziert und über eine erhöhte Mietzahlung ab dem Jahr 2014 von Seiten des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung refinanziert.
In den Gebäuden, die auf dem rund 4,3 Hektar großen Grundstück entstehen, sind Lehrflächen für 1.200 Studierende der Human-, Zahnmedizin- und Gesundheits- und Pflegewissenschaft vorgesehen. Der Veranstaltungsraum sowie die Kommunikations- und Freiflächen bieten 4.300 Studierenden Platz. Auf dem MED CAMPUS werden 840 MitarbeiterInnen und 250 Wirtschaftstreibende ihren Arbeitsplatz finden. Im MED CAMPUS integriert ist zudem das Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin (ZWT), das die zielgerichtete Kooperation zwischen wissenschaftlicher Forschung an der Med Uni Graz und deren wirtschaftliche Umsetzung gemeinsam mit Unternehmen ermöglichen wird. Hier ist Raum und Infrastruktur für universitäre Unternehmensausgründungen, so genannten Spin-Offs, sowie für nationale und internationale Unternehmensansiedlungen aus dem Fachbereich der Medizin, Biomedizin und Life Sciences.
Als Sieger ist aus dem EU-weiten Architektenwettbewerb das international renommierte Grazer Architekturbüro Riegler Riewe Architekten ZT-GmbH unter der Leitung von Florian Riegler und Roger Riewe hervorgegangen. Unter der Leitung des 1987 gegründeten Büros sind bislang unter anderem die neue Grazer Messehalle, die Informations- und Elektrotechnischen Institute der TU Graz Inffeld sowie das Literaturhaus/Franz-Nabl-Institut in Graz entstanden. Ein Forschungszentrum in Biberach/Deutschland sowie das Schlesische Museum in Katowice/Polen sind derzeit in Realisierung. Ihr Entwurf des MED CAMPUS, den die elfköpfige Jury unter dem Vorsitz von Daniele Marques aus insgesamt 57 Wettbewerbsbeiträgen ausgewählt hat, entspricht dem Wunsch der Universität nach einem architektonisch anspruchsvollen Projekt mit hochgradiger Vernetzung aller Nutzungsbereiche. Das Projekt überzeugt durch seine kommunikativen Möglichkeiten, seine hohen außen- und innenräumlichen Qualitäten, die sehr gute Einbindung in das städtische Umfeld und den Bezirk sowie die räumliche Anbindung an das bestehende LKH-Univ. Klinikum Graz.
Foto: © Med Campus Graz
Visualisierung: © Riegler Riewe Architekten


